Weltbilder in Wort und Bild von Martin Rey

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Athen, Griechenland 2017
Der Balkan kommt nicht zur Ruhe. Die Nachwehen der schrecklichen Kriege sind noch heute in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo zu spüren, Griechenland erholt sich allmählich von der grossen Wirtschaftskrise, Albanien sich vom Sozialismus - beide Staaten kommen aber nicht wirklich vom Fleck.


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Mostar, Bosnien-Herzegowina 2017
Ob dieses Mädchen wirklich schläft oder es nur vorgibt, um so an Geld zu kommen ist schwierig zu beurteilen. Auf jeden Fall hat mir das Bild fast das Herz zerrissen, da ich schon Jahre zuvor Obdachlose in diesem unfassbar idyllischen und zugleich vom Krieg gezeichneten Ort angetroffen hatte. Das kleine, an der Neretva gelegene Städtchen ist eine Touristenhochburg der Herzegowina. Berühmt ist die 25 Meter hohe Brücke, von der junge Männer gegen ein kleines Entgelt hinunterspringen. Zugleich grassiert in der Gegend aber auch eine gewaltige Arbeitslosigkeit, bleibt das Land gespalten und hat bis heute keine wirklich funktionierende Verwaltung.

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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2017
Der sehr gut deutsch sprechende junge Mann auf dem Bild wurde vor wenigen nach Bosnien-Herzegowina ausgeschafft. Er ist obdachlos und ohne Perspektiven und wärmt sich nachts gerne an der ewigen Flamme in Sarajevo.

Die Hauptstadt Bosniens wurde von 1992-1995 von bosnisch-serbischen und serbischen Truppen während 1425 Tagen belagert. Für das Zwanzigste Jahrhundert ist dies ein trauriger Rekord. Der Krieg ist heute zwar vorbei, aber Frieden herrscht noch lange nicht. Das Land Bosnien-Herzegowina funktioniert mehr pro forma und ist faktisch in drei Teile gespalten, wobei die Trennlinien alles andere als eindeutig sind.

Für den Bosnienkrieg gibt es meines Wissens noch kein Mahnmal, wohl deshalb, weil man sich auf gar nichts einigen kann. Die ewige Flamme in Sarajevo wurde errichtet, um an die bosnischen Opfer während des Zweiten Weltkriegs zu erinnern. Während des Bosnienkriegs war die Flamme wenig erstaunlich erloschen und wurde danach wieder entfacht. Gerade mit diesem Gedanken im Hinterkopf und dem Wissen, dass die Flamme zu einer Zeit errichtet worden war, wo man an einen neuen Krieg nicht mal zu denken wagte macht die ewige Flamme für mich auch ein würdiges, wenn auch zu bescheidenes Mahnmal für den Bosnienkrieg.


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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2005
In Sarajevo gibt es eine kilometerlange, grösstenteils gerade Strasse, die während des Kriegs auch als "Sniper alley" bekannt geworden ist, weil sich auf den Dächern links und rechts der Strasse Scharfschützen postiert hatten und das Passieren der Strasse zu einem tödlichen Wettlauf gemacht haben. Genau an dieser Strasse wurden diese Bilder eines Jungen aufgenommen, dessen Gesichtsausdruck Bände spricht.

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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2005


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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2005


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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2005
An den Hängen des in einem schmalen Tal liegenden Sarajevo finden sich noch zehn Jahre nach Kriegsende viele Ruinen und verlassene Häuser, eingefrorene Zeitzeugen eines schrecklichen Kriegs.

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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2005


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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2005


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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2005
In Srebrenica wurde 1995 ein Genozid an Bosniern begangen. Die überall in der Stadt anzutreffenden Bilder zeigen (wenn ich das richtig verstanden habe) Kleidungsstücke von noch nicht identifizierten Opfern. In Zusammenhang mit anderer Werbung entsteht daraus ein schauriges Schauspiel.

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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2005


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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2005


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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2017
Wenige Meter vom Bahnhof Sarajevo entfernt traf ich auf zwei Kinder, die wohl auf der Strasse leben. Der Junge entfernte sich und das Mädchen machte es sich gemütlich. Doch nicht für lange. Die Szene machte mich sehr betroffen und traurig und machte mir einmal mehr bewusst wie privilegiert mein Leben ist und wie unbeschwert im Vergleich meine Kindheit.

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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2017


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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2017


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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2017


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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2017


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Sarajevo, Bosnien- Herzegowina 2017
Das Parlamentsgebäude von Sarajevo wurde zum tragischen Symbol für den Bosnienkrieg. Das scheinbar ausgehöhlte und komplett zerstörte Gebäude war ständiger Gast in den Nachrichten und mahnte noch lange nach dem Krieg an dessen schreckliche Realität. Während das Gebäude 2004, fast zehn Jahre nach Kriegsende unverändert in den Himmel ragte, wurde es inzwischen (2017) wieder hergerichtet. Es erstaunt, dass die Bausubstanz gerettet werden konnte und das Gebäude nicht aus symbolischen Gründen niedergerissen wurde. Vielleicht fehlte dazu aber auch einfach das Geld.

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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2005
Das Parlamentsgebäude.
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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2005
Das Parlamentsgebäude.
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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2005
Das Parlamentsgebäude.
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Sarajevo, Bosnien-Herzegowina 2005
Das Parlamentsgebäude.
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Mostar, Bosnien-Herzegowina 2017
Dieser Raum ist in einem kriegszerstörten Haus bis heute konserviert worden. Heute, rund 25 Jahre nach dem Krieg stehen weiterhin Dutzende zerstörte Häuser aus dem Krieg.

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Mostar, Bosnien-Herzegowina 2017
Teilweise sind diese kriegszerstörten Häuser heute bewohnt oder dienen als Räume für die Universität.
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Mostar, Bosnien- Herzegowina 2017
Stilleben in einer zerstörten Häusergruppe.
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Mostar, Bosnien- Herzegowina 2017
Dieses baufällige Gebäude wurde teilweise wieder in Besitz genommen. Links und rechts davon stehen renovierte Häuser.
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Mostar, Bosnien-Herzegowina 2017
Von diesem Gebäude im Herzen Mostars hatten Scharfschützen ihre Opfer unter Schuss genommen.
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Mostar, Bosnien- Herzegowina 2017
Die berühmte Brücke von Mostar, die während des Krieges zerstört und 10 Jahre später wieder aufgebaut wurde. Im Hintergrund ein Minarett und in der Nähe der Bildmitte ein muslimischer Geistlicher.

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Mostar, Bosnien- Herzegowina 2017
Die berühmte Brücke von Mostar, die während des Krieges zerstört und 10 Jahre später wieder aufgebaut wurde.
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Mostar, Bosnien- Herzegowina 2017
Das Städtchen mit der tragischen Geschichte ist äusserst idyllisch gelegen.
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Pristina, Kosova/Serbien 2017
Ibrahim Rugova, der hier auf dem Plakat zu sehen ist, war mehrere Jahre Präsident des Kosovo und galt als Galionsfigur der gewaltfreien Unabhängigkeitsbewegung und als "Vater der Nation".

Der völkerrechtliche Status des Kosovo ist heute umstritten, de facto hat sich aber auf jeden Fall ein neuer Staat konstituiert. Dieser laviert zwischen Tradition und Moderne wie auch dieses Bild aus der Hauptstadt Pristina zeigt. Im Vordergrund geht eine als Muslimin erkennbare Frau mit Kopftuch, ein Accessoire, welches im mehrheitlich muslimischen Kosovo eher eine Seltenheit ist. Neben ihr fährt ein Kind auf einem motorisierten Miniauto wie sie zurzeit gerade "in" sind in Südosteuropa.

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Prizren, Kosovo 2017
Ob der Stacheldraht dazu da ist, die orthodoxe Kirche zu schützen, weiss ich zwar nicht, viele solcher Kirchen wurden aber in den letzten zwei Jahrzehnten zerstört. So erstaunt auch nicht, dass beim Eingang zu einer andere Kirche das folgende Schild zu sehen ist:

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Prizren, Kosovo 2017
Verbotsschilder vor einer orthodoxen Kirche mitten in Prizren. Wohl nicht unbedeutend ist die Tatsache, dass der Text in serbischer Schrift und Sprache ist und nicht auf albanisch.

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Mitrovica, Kosovo 2017
Nach der Unabhängigkeit des Kosovo separierte sich der nördliche Teil des neuen Staates, da dort mehrheitlich Serben leben. Heute herrscht hier ein Machtvakuum, die Autos haben serbische Nummernschilder, bezahlt wird mit serbischen Dinar, obwohl das Gebiet offiziell zum Kosovo zählt. Serbien kontrolliert die Grenze auch nicht, da es die Unabhängigkeit des Kosovo bis heute nicht anerkennt.

Die Brücke im Hintergrund trennt den albanischen Teil Kosovos vom serbischen Teil. Der Zugang für Autos wird durch Blockaden verunmöglicht, sie ist deshalb nur zu Fuss überquerbar und wird von KFOR-Truppen bewacht. Wenige hundert Meter weiter hat es eine weitere, weniger symbolträchtige Brücke, die auch für Autos offen ist.


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Mitrovica, Kosovo 2017



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Mitrovica, Kosovo 2017



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Mitrovica, Kosovo 2017



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Mitrovica, Kosovo 2017



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Mitrovica, Kosovo 2017



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Kosovska Mitrovica, Kosovo/Serbien 2017


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Kosovska Mitrovica, Kosovo/Serbien 2017


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Kosovska Mitrovica, Kosovo/Serbien 2017


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Kosovska Mitrovica, Kosovo/Serbien 2017


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Kosovska Mitrovica, Kosovo/Serbien 2017


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Pristina, Kosovo 2017
Eine Statue von Bill Clinton an der Bill Clinton Avenue im Zentrum von Pristina. In der Amtszeit von Bill Clinton kam es zum völkerrechtlich nicht legitimierten Angriff der NATO-Truppen auf Serbien und den Kosovo, als dessen Folge der Kosovo 2008 die Unabhängigkeit erklärte.
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Pristina, Kosovo 2017
Zwei Farben, acht Buchstaben, eine Leidenschaft: Prishtina. Dass Prishtina in dieser Schreibweise neun Buchstaben hat sei hier nur nebenbei vermerkt. Das Bild wurde wenige Meter vom Fussballstadion Pristhinas aufgenommen, das während des Krieges als "Konzentrationslager" genutzt worden sein soll. Unabhängige Berichte bestreiten diese Darstellung allerdings, es handelt sich wohl um eine Legende, die den Angriff der NATO-Truppen legitimieren sollte. Dass sich hier heute Liebespaare treffen, ist aber natürlich symbolisch gesehen trotzdem ein gewaltiger Fortschritt.
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Athen, Griechenland 2017
"Ein Grieche nimmt die Realität prinzipiell nicht zur Kenntnis. Er lebt zweifach über seine Verhältnisse. Er verspricht das Dreifache von dem, was er halten kann. Er weiss viermal so viel wie das, was er tatsächlich gelernt hat. Er zeigt seine Gefühle fünfmal stärker, als er sie wirklich empfindet.

Die Übertreibung ist nicht nur ein nationaler Fehler. Sie ist die Lebensform der Griechen. Sie ist die Konstante des Nationalcharakters."

Die Worte von Nikos Dimou, zu finden in seinem Buch "Über das Unglück, ein Grieche zu sein" sind für das Verständnis der aktuellen Griechenlandkrise von grosser Bedeutung. Stand und steht Griechenland wirklich kurz vor dem Kollaps oder klagen die Griechen einfach sehr laut? Ein Augenschein vor Ort soll hier Klärung bringen.

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Kerkyra, Korfu (Griechenland) 2017
In Kerkyra, der Hauptstadt der Insel Korfu ist die Krise nur bedingt zu spüren. Das Leben nimmt seinen geruhsamen Lauf, die Wäsche trocknet im Freien, der Tourismus floriert, die Cafes sind gut besucht. Direkte Zeichen von Verfall fallen mir kaum auf, eine Fabrik ist seit langem geschlossen, es gibt einige leerstehende Ladengeschäfte, aber im Vergleich zu anderen krisengeschüttelten oder armen Gebieten scheint die wirtschaftliche Situation auf Korfu - zumindest nach einem ersten Augenblick - nicht dramatisch zu sein. Der Tourismus ist aber auch vielleicht die Branche in Griechenland, die noch einigermassen funktioniert.

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Kerkyra, Korfu (Griechenland) 2017


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Kerkyra, Korfu (Griechenland) 2017


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Sitia, Kreta (Griechenland) 2017
Geht Griechenland vor die Hunde? Kreta ist wie Korfu eine Insel und lebt zu einem wesentlichen Teil vom Tourismus. Dies gilt zwar auch für den Osten der Insel, doch nicht allzu viele Touristen finden ihren Weg in das kleine Städtchen. Ein Augenschein über Auffahrt 2017 lässt aber auch hier die Krise nicht direkt sichtbar werden. Die Cafes sind (wieder) gut besetzt, die Läden wirken modern und es gibt wenige Leerstände. Man muss zwar mit weniger auskommen, aber zumindest für den Moment scheint noch Geld vorhanden zu sein. Dies war vor einigen Jahren noch anders. Von Bedeutung ist aber auch die Landwirtschaft.

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Mesa Mouliana, Kreta (Griechenland) 2017
Ein Grund, warum Kreta von der Krise weniger betroffen gewesen ist als städtische Gebiete ist die Landwirtschaft. Fast alle Griechen verfügen irgendwo über ein Stück Land, das zumindest eine Grundversorgung gewährleistet. Trotz der hohen Arbeitslosigkeit gibt es weiterhin Mangel an Arbeitern während der Erntezeit, weshalb zum Beispiel Fremdarbeiter aus Albanien die harte Arbeit übernehmen. Viele junge Griechen haben inzwischen einen Hochschulabschluss und suchen "bessere" Arbeiten. Dies zeigt sich vor allem in ländlichen Gebieten, denn vor allem in den Städten sind die Perspektiven für junge Leute miserabel.

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Faneromenis, Kreta (Griechenland) 2017
In den 1980er Jahren war ich schon einmal in einem abgelegenen Dorf auf Kreta und war (damals als Kind) fasziniert von den unfassbar tiefen Preisen. Mit dem Euro kam sehr viel Geld nach Griechenland, aber auch die Preise und Lebenshaltungskosten stiegen. Die meisten Griechen reagierten darauf auf ihre eigene Weise: Steuern wurden möglichst nicht bezahlt, dafür suchte man nach Wegen, um an eine üppige staatliche Rente zu kommen. Dies dauerte nur wenige Jahre gut bis die Krise das Land mit voller Härte traf.

Die ländlichen Gebiete Kretas leiden an Landflucht. Obwohl Kreta eine kleine Insel ist, gibt es unglaublich abgelegene Orte. Dies trifft auch auf diese Taverne zu, die von einer alten Frau geführt wird. Sie lebt von einer kleinen Rente, die immer mehr gekürzt wird und von immer wenigen Gästen. Einen Nachfolger wird sie wohl kaum finden - doch dies ist ein Problem, das wohl fast überall auf der Welt dasselbe ist.

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Faneromenis, Kreta (Griechenland) 2017
Die orthodoxe Kirche hat bis heute eine sehr starke Stellung in Griechenland. Sie ist die grösste Grundbesitzerin, verfügt aber zugleich über viele Privilegien. Ein grosses Problem in Griechenland ist, dass es bis heute kein funktionierendes Grundbuch gibt: man weiss schlicht nicht exakt, wem welches Stück Land gehört. Inzwischen soll die Arbeit an einem funktionierenden Kataster in Arbeit sein - man kann gespannt sein. Denn ohne zu wissen, wem welches Grundstück gehört, kann man auch keine sinnvollen Grundstücksteuern einziehen. Und kann man leicht übersehen, dass jemand (fast) ohne Einkommen und Vermögen über diverse Villen verfügt…

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Heraklion, Kreta (Griechenland) 2017
Ein grosses Problem in Griechenland sind Korruption und mangelnde Steuermoral. Ohne "Fakelaki", ein kleines Couvert mit ein paar Scheinen drin dauern viele Amtsgeschäfte sehr, sehr lange. Dafür wurden in der Vergangenheit auch kaum Belege ausgestellt - womit die Steuern gespart werden konnten. Die Steuern wurden in Zusammenhang mit der Krise massiv erhöht und es wurden Massnahmen ergriffen, um die Steuern auch wirklich einzuziehen. Und in der Tat kriegt man heute vielerorts unaufgefordert eine Quittung, als Folge der Krise boomen aber weiterhin die Bargeldgeschäfte - und werden Steuern oftmals weiter "verweigert".

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Athen, Griechenland 2017
Morgenstimmung in Athen. Keine Frage. Dies muss die Stadt der Götter sein, der Ausblick über die Stadt ist atemberaubend. Zählt man die Agglomeration dazu, leben gegen 4 Millionen Menschen in einer riesigen Ebene, die man fast komplett überblicken kann. Während das Stadtzentrum idyllisch ist, zeigte sich die Wirtschaftskrise besonders deutlich in der Agglomeration. Wie überall in Griechenland wurden zugleich Steuern und staatliche Abgaben erhöht und die staatlichen Leistungen gekürzt. Viele Menschen verloren ihre Jobs und schlagen sich nun von Tag zu Tag durch oder werden von ihren Familien, die in Griechenland weiterhin grosse Bedeutung haben unterstützt.

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Athen, Griechenland 2017
Griechenland hatte mit dem Eurobeitritt plötzlich Zugang zu günstigen Krediten - und diese wurden intensiv in Anspruch genommen. Die Landung 2008 war äusserst hart - denn das Land war komplett überschuldet und faktisch bankrott. Die privaten Gläubiger haben Griechenland rund 100 Milliarden an Schulden erlassen, womit es vom Staatsbankrott verschont blieb. Seither wurde von Seiten der EU grosser Druck auf Griechenland ausgeübt, um zwei Ziele zu erreichen: der griechische Staat sollte gesund gespart und reformiert werden, zudem sollten die Einnahmen erhöht werden.

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Athen, Griechenland 2017
Schlendert man durch die Innenstadt, ist von Krise wenig zu spüren. Selbst im Dezember hat es noch Touristen, aber auch Einheimische frequentieren Cafes, Restaurants und Bars. Auch die Einkaufszentren sind am Samstag Nachmittag überfüllt und es wird gekauft. Es gibt auch viele neue und schicke Autos, alles Zeichen, dass durchaus noch Geld vorhanden ist. Steuerverweigerung ist in Griechenland allerdings weiterhin ein grosses Problem.

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Athen, Griechenland 2017
Die Akropolis ist eine ewige Baustelle. Ein Symbol für den Zustand des griechischen Staates. Dass es in Griechenland nur langsam vorwärts geht, hat auch wesentlich damit zu tun. Es gibt (respektive gab) viel zu viele Staatsangestellte, die sich auf den Füssen herumtreten, die Bürokratie ufert bist heute aus. Trotz vieler Regulierungen ist vieles ungeklärt, die Investitionsbedingungen verbessern sich nur langsam. So sind die Forderungen der Gewerkschaften oftmals völlig absurd und vergällen selbst den wenigen investitionswilligen Firmen die Lust in Griechenland etwas aufzubauen.

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Athen, Griechenland 2017
Griechenland ist bis auf den Tourismus-Sektor längst nicht mehr konkurrenzfähig. Die harten Reformen der letzten Jahre hatten deshalb vor allem zum Ziel, den griechischen Staat zurückzubinden und Griechenland so wieder auf die Beine zu bringen. Eine Aufgabe, die noch dadurch erschwert wurde, dass zugleich massiv gespart werden musste. Griechenland konnte bis 2017 an den internationalen Märkten kein Geld zu vernünftigen Zinsen mehr aufnehmen - und selbst die EU war nicht mehr bereit, Geld zu geben, das dann doch nur versickerte. Allerdings hat u.a. die EU Griechenland die Schulden "vorgeschossen": die Gläubiger, die oft in Westeuropa beheimatet sind, erhielten die fälligen Kredite zurück und Griechenland wurde vom Bankrott bewahrt, der eine viel schlimmere Krise als die jetzige zur Folge gehabt hätte. Griechenland wurde eine Verschnaufpause gewährt, die es zumindest teilweise genutzt hat: Spätestens seit 2017 zeigen sich erste Zeichen einer wirtschaftlichen Erholung.

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Athen, Griechenland 2017
Trotz Krise hat Griechenland weiterhin eine sehr starke und teure Armee und auch die Polizeipräsenz in Athen ist erstaunlich hoch. Es fragt sich natürlich, warum nicht hier gespart wurde. Die einen sagen, das sei, weil die EU Waffenverkäufe als "Gegengeschäft" gefordert hätte und die Südostflanke Europas militärisch geschützt sehen wollte - und deshalb lieber bei den Sozialkosten Sparvorgaben erlassen habe. Die anderen erinnern an den griechischen Nationalismus und die Türkenphobie.

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Athen, Griechenland 2017
Capitalism must fail. Das Gemälde auf einem Gebäude im durch Anarchisten beherrschten Stadtviertel Exarchia gibt die Situation in Griechenland vielleicht gar nicht so schlecht wieder. Zum einen kann man die Darstellung ideologisch verstehen, dass der Kapitalismus scheitern muss, weil er "böse" ist. Oder man versteht es so, dass der Kapitalismus scheitern wird, weil er in sich widersprüchlich ist und deshalb zum Scheitern verurteilt ist. Für viele Griechen ist der Kapitalismus gescheitert, weil er ihnen die grosse Krise und grosses Elend gebracht hat. Gleichwohl ist der Lebensstandard in Griechenland für viele Menschen im Vergleich beispielsweise zu Albanien recht hoch, haben viele Griechen jahrelang weit über ihren Verhältnissen und den ökonomischen Möglichkeiten gelebt.

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Athen, Griechenland 2017
Man konnte es noch riechen. Und doch hatte ich nicht damit gerechnet auf Bilder wie aus einem Kriegsgebiet zu stossen. Ganz erstaunt war ich aber nicht, da ich über das Anarchistenviertel gelesen und auch bei uns in den Medien von den Unruhen berichtet worden war. Doch was war genau der Grund für die offensichtlichen Kämpfe?

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Athen, Griechenland 2017
"Remember 6 December". Nicht nur hier stosse ich auf solche Plakate und frage mich, was vor zwei Tagen geschehen sein könnte. Bei meinem Spaziergang stosse ich auf schwer bewaffnete Polizei oder Militär, die Lage erscheint aber ruhig. Irgendwo stosse ich dann auf eine Wandzeitung auf griechisch und englisch - und staune, ob der Worte.

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Athen, Griechenland 2017
"6 of December 2008. Alexis Grigoropoulos, a 15 years old anarchist, was murdered by the police. Every 6 of December, police attacks Exerhia because it is a place where people organize to resist against the state. In Exarhia we are creating our liberated communities. We are defending our ground to protect our liberty. With or without papers, locals or foreigners, young, old, women, men, any sexuality, any body and psychological conditions, we can ll find our way to participate in the rebellion.
IF WE DO NOT FIGHT, TEY WILL TAKE US EVERYTING"

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Athen, Griechenland 2017
Überreste der Demo vom 6. Dezember.

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Athen, Griechenland 2017


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Athen, Griechenland 2017
Wurde der Bussenzettel wirklich im Nachhinein aufgeklebt?

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Athen, Griechenland 2017
Eigentlich hatte ich einen Ruheplatz gesucht. Der Park sah auf der Karte ganz attraktiv aus - und plötzlich waren da diese Zelte, ein erstes ganz offenes Zeichen von Krise? Irgendetwas erschien aber seltsam und es dauerte einige Zeit, bis ich es merkte: der Park wirkte aufgeräumt, als ob er regelmässig durch die Stadtverwaltung gepflegt würde. Leute flanierten, Autonome sassen auf einer Steinmauer, die Stimmung war nicht wirklich friedlich, aber auch nicht wirklich angespannt. Unklar blieb mir, wer in den Zelten wohnt: sind es Anarchisten, obdachlose Griechen - oder nicht vielmehr Flüchtlinge, von denen viele in Griechenland wirklich nur dainvegetieren.

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Athen, Griechenland 2017
Die Krise in Griechenland ist 2017 zumindest oberflächlich gesehen nur schwer zu entdecken. Wirklich schlecht geht es aber den Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und Afrika, die in Griechenland gestrandet sind. Berichte von Ferieninseln wie Lesbos sind schockierend und zeigen zumindest etwas: selbst die schlechtesten Lebensverhältnisse in Europa sind besser als jene in vielen aussereuropäischen Staaten auch an der Peripherie Europas. Und erst recht als jene der Flüchtlinge.

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Athen, Griechenland 2017
Nur wenige Meter vom Elend der Zeltsiedlung entfernt befindet sich einer der schönsten und ruhigsten Aussichtspunkte über Athen. Man überblickt die ganze Stadt und Athen zeigt sich wiederum von seiner unwiderstehlichen Seite. Elend und Schönheit liegen heute in Griechenland nahe beieinander.
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Athen, Griechenland 2017
Orangenbäume, kaum Verkehr, ein scheinbar idyllisches Quartier in Exarchia. Die Stimmung ist aber komisch, junge, wohl arbeitslose Männer stehen und sitzen herum und es würde mich nicht erstaunen, wenn man hier Dinge erstehen kann, die auf legalem Weg nicht aufzutreiben sind.

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Athen, Griechenland 2017
Ein ruhiges Viertel am Rand von Exarchia.

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Athen, Griechenland 2017
Stilleben in Exarchia.
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Athen, Griechenland 2017
Exarchia ist voll von Graffitis sehr unterschiedlicher Qualität.
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Athen, Griechenland 2017
Ein "Lumpensammler" in Exarchia. Vermutlich handelt es sich dabei um einen Roma, die wie in vielen Staaten des Balkan die wirkliche Unterschicht bilden. Auf den Strassen der Altstadt sind denn auch vor allem junge Roma-Mütter zu sehen, die dort ihr Glück mit Betteln versuchen.
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Athen, Griechenland 2017
Exarchia ist ein typisch "linkes" Quartier, wo ich mich eigentlich sehr wohl finde. Es hat Strassencafes, coole Läden, diesen etwas heruntergekommenen Chic, den ich viel besser mag als die herausgeputzte Innen- oder Altstadt. Gleichwohl ist es mir manchmal etwas mulmig, hat es düstere Quartiere, besetzte Häuser, wo ich mich nicht willkommen fühle. Auf meinem Spaziergang finde ich einen kleinen Markt, aber auch hier kein direktes, sichtbares Elend. Bis ich hinter dem Markt einen Hügel erklimme.

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Athen, Griechenland 2017
Dass man sich mitten in einem anarchistisch geprägten Viertel findet, sieht man in Exarchia vielerorts. So erstaunt auch die Referenz an den G20 Gipfel von 2017 in Hamburg nicht.

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Athen, Griechenland 2017
2004 fanden die olympischen Sommerspiele in Athen statt. Die Bauten wurden erst auf die allerletzte Sekunde fertig. Ich hatte damit gerechnet, dass das ehemalige Olympiagelände dem Verfall übergeben worden sei, doch wider Erwarten werden die Hallen weiter genutzt, ist auch hier wenig von Verfall und Krise zu sehen. Das ehemalige Olympiadorf wurde allerdings zu Sozialsiedlungen umgebaut, ein Ausflug dahin musste ich leider abbrechen, da die Zugverbindung unterbrochen war. Es folgen einige Impressionen aus dem Olympiagelände.

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Athen, Griechenland 2017


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Athen, Griechenland 2017


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Athen, Griechenland 2017


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Athen, Griechenland 2017


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Piräus, Griechenland 2017
Piräus ist heute mit Athen zusammengewachsen. Es beherbergt den Hafen und den Yachthafen. Die prunkvollen Yachten waren im Dezember wohl unterwegs, die Lage am Sonntagmorgen ruhig.

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Piräus, Griechenland 2017


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Piräus, Griechenland 2017


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Piräus, Griechenland 2017


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Piräus, Griechenland 2017


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Sarajevo, Bosnien- Herzegowina 2017


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Tirana, Albanien 2017



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Tirana, Albanien 2017



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Tirana, Albanien 2017



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Tirana, Albanien 2017



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Tirana, Albanien 2017



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Tirana, Albanien 2017



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Saranda, Albanien 2017



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Saranda, Albanien 2017



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Saranda, Albanien 2017



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Saranda, Albanien 2017



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Saranda, Albanien 2017



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Saranda, Albanien 2017



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Saranda, Albanien 2017



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Saranda, Albanien 2017



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Saranda, Albanien 2017



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Saranda, Albanien 2017



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Saranda, Albanien 2017



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Vlore, Albanien 2017



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Vlore, Albanien 2017



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Vlore, Albanien 2017



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Vlore, Albanien 2017



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Vlore, Albanien 2017



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Kukes, Albanien 2017


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Kukes, Albanien 2017


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Kukes, Albanien 2017


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Kukes, Albanien 2017


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Kukes, Albanien 2017


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Athen, Griechenland 2017
Der Balkan kommt nicht zur Ruhe. Die Nachwehen der schrecklichen Kriege sind noch heute in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo zu spüren, Griechenland erholt sich allmählich von der grossen Wirtschaftskrise, Albanien sich vom Sozialismus - beide Staaten kommen aber nicht wirklich vom Fleck.





Kuba

Kuba 2017



Balkan

Balkan 2017



Kambodscha

Kambodscha 2017



Israel Palästina

Israel / Palästina
2016-2018




Ukraine

Ukraine 2018